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Kein Behandlungsfehler

Ein Zahnarzt handelt nicht behandlungsfehlerhaft, wenn er eine mit Stiften zu befestigende, beschädigte Teilprothese durch eine Prothese mit Teleskopkronen ersetzt.

Das Urteil

Eine Patientin, die zuvor seit 1989 eine Unterkieferteilprothese getragen hatte, ließ sich von ihrer Zahnärztin im April 2008 eine prothetische Neuversorgung eingliedern. Später erklärte die Patientin, eine Neuversorgung sei nicht indiziert und eine erneute Reparatur möglich gewesen und verklagte die Zahnärztin. Dabei begehrte sie Folgendes: die Zahlung eines mit mindestens 20.000,00 EUR für angemessen gehaltenen Schmerzensgeldes, die Rückzahlung geleisteten Honorars in Höhe von 3.200,00 EUR, den Ersatz materiellen Schadens in Form fiktiver Haushaltsführungskosten in Höhe von 43.020,00 EUR, die Zahlung zukünftiger fiktiver Haushaltsführungskosten in Höhe von monatlich 975,00 EUR und die Feststellung weitergehender Ersatzpflicht. Damit war sie offensichtlich von einem fleißigen Patientenanwalt vertreten. Recht bekommen hat sie trotzdem nicht. Die Klage wurde in zwei Instanzen abgewiesen.Das OLG Hamm führte in seinen Entscheidungsgründen zu seinem Urteil vom 10.01.2014 (Az. I-26 U 76/12, 26 U 76/12) aus. Im Ergebnis hat es weder einen Behandlungsfehler, noch einen Aufklärungsfehler feststellen können: ?Die Neuversorgung war indiziert.Es erscheint überzeugend, dass nach den Ausführungen des Sachverständigen die Anfertigung einer neuen Prothese erforderlich gewesen ist, weil die alte Teilprothese bereits aus dem Jahr 1989 stammte und mehrfach repariert worden war. Bei einer erneuten Reparatur wären umfangreiche Maßnahmen zur Unterfütterung der Prothese erforderlich gewesen. Das Risiko von Druckstellen wäre genauso hoch wie bei einer Neuversorgung gewesen. Darüber hinaus wäre auch der Kostenaufwand vergleichbar gewesen. Hinzu kommt, dass eine erneute Lötung wiederum eine Schwachstelle dargestellt hätte.??Die Beklagte war auch nicht verpflichtet, über Behandlungsalternativen aufzuklären.Nach der höchstrichterlichen und von dem erkennenden Senats für zutreffend erachteten Rechtsprechung ist die Wahl der Behandlungsmethode primär Sache des Arztes. Gibt es allerdings mehrere medizinisch gleichermaßen indizierte und übliche Behandlungsmethoden, die wesentlich unterschiedliche Risiken und Erfolgschancen aufweisen, besteht mithin eine echte Wahlmöglichkeit für den Patienten, dann muss diesem nach entsprechend vollständiger ärztlicher Aufklärung die Entscheidung überlassen bleiben, auf welchem Wege die Behandlung erfolgen soll und auf welches Risiko er sich einlassen will ? .Diese Voraussetzungen liegen hier nicht vor.Ob eine komplett auf Implantate gestützte Neuversorgung eine echte Alternative dargestellt hat, erscheint zweifelhaft, wenn man mit dem Sachverständigen von dem Vorrang der Erhaltung natürlicher Zähne ausgeht. Die Frage kann jedoch dahingestellt bleiben. Denn ausweislich der Krankenunterlagen, deren Richtigkeit die Klägerin nicht erschüttert, spricht alles dafür, dass unter dem 23.05. 2007 auch über eine Implantatversorgung gesprochen, diese jedoch wegen der Kosten und zu wenig Knochenmaterial abgelehnt worden ist.Eine teilweise auf Implantate gestützte Neuversorgung kam dagegen nach den Ausführungen des Sachverständigen bei seiner mündlichen Anhörung durch den Senat als Alternative nicht in Betracht. Denn die Lagerung einer Prothese auf ein Implantat und einen gesunden Zahn auf der anderen Seite des Kiefers wäre nicht lege artis gewesen, weil dies zwingend zu einer Lockerung der Prothetik geführt hätte. Ebenso wenig wäre eine Abstützung einer Prothese auf dann abzuschleifende Frontzähne möglich gewesen, weil dann die Gefahr der Verletzung desZahnmarks bestanden hätte.Eine Neuherstellung auf der Basis des bisherigen Prothetiksystems stellte ebenfalls keine echte Behandlungsalternative dar. Der Sachverständige hat die angegliederte Teleskopversorgung als die Behandlungsmethode der Wahl bezeichnet, weil damit die biomechanische Belastung auf den gesamten noch zur Verfügung stehenden Zahnhalteapparat übertragen und einer Fraktur des Stumpfes vorbeugt wird. Darüber hinaus besteht der Vorteil, dass bei Verlust eines tragenden Zahnes die Prognose ohne größeren Aufwand erweitert werden kann.Eine Neuherstellung auf der Basis des bisherigen Schienensystems wäre dann nicht lege artis gewesen.Die Behandlung bei deshalb durch eine wirksame Einwilligung gerechtfertigt.?

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