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Grober Behandlungsfehler bei der Versorgung mit Langzeitprovisorien

Steht eine Behandlung im Streit und wirft der Patient einen Fehler vor, kann es Feinheiten in der Diskussion ankommen. Nachteilig für den Behandler ist es stets dann, wenn ein grober Behandlungsfehler im Raum steht. Bei einem solchen kehrt sich die Beweislast um.

Es muss also nicht mehr der Patient den Behandlungsfehler beweisen, sondern der Behandler sich entlasten. Und derjenige, der seiner Beweispflicht nicht nachkommen kann, hat die sich daraus zwangsläufig ergebenden negativen Folgen zu tragen.Ein grober Behandlungsfehler liegt vor, wenn das Vorgehen des Behandlers schlichtweg fachlich nicht nachvollziehbar ist, weil gegen bewährte zahnmedizinische Erkenntnisse verstoßen wird.

Urteil

Von einem solchen groben Behandlungsfehler ist das Oberlandesgericht Hamm in einem aktuellen Fall ausgegangen. In den Leitsätzen steht zu lesen:?Es ist als grober zahnärztlicher Behandlungsfehler zu werten, wenn eine Versorgung mit Langzeitprovisorien begonnen wird, ohne die Position der eingeleiteten Schienentherapie hinreichend zu sichern.Ein solches Vorgehen ist nicht verständlich, weil es gegen bewährte zahnmedizinische Erkenntnisse verstößt. Wegen des groben Behandlungsfehlers ist eine Weiterbehandlung für den Patienten unzumutbar.?Die Vorinstanz ? das Landgericht Bielefeld ? hatte den Zahnarzt wegen fehlerhafter Behandlung verurteilt. Hierzu führt das Oberlandesgericht in seinem Urteil einleitend aus:?Das Landgericht hat der Klage nach Beweisaufnahme teilweise - Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 5.000 ?, Ersatz materieller Schäden in Höhe von 1.651,08 ? und Feststellung weitergehender Ersatzpflicht - stattgegeben. Es hat sich im Wesentlichen darauf gestützt, dass dem Beklagten als Behandlungsfehler anzulasten sei, dass er verfrüht von der Protrusionsschienentherapie auf die Eingliederung von provisorischem Zahnersatz übergegangen sei. Überdies seien die eingebrachten provisorischen Kronen und Brücken wegen extremer Nonokklusion fehlerhaft gewesen.?Gegen dieses Urteil war der Behandler in Berufung gegangen, da die Sachverständigenauffassung zu einer unzureichenden Adaptionsphase falsch gewesen sei. Im Wesentlichen war die Berufung allerdings nicht erfolgreich.Das Oberlandesgericht Hamm erläutert in den Entscheidungsgründen zu seinem Urteil vom 06.06.2014 (Az. 26 U 14/13):?Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme steht zur Überzeugung des Senats aufgrund der Feststellungen bei der Sachverständiger fest, dass dem Beklagten als grober Behandlungsfehler anzulasten ist, dass er die provisorische prothetische Versorgung in Angriff genommen hat, obwohl die Position des Unterkiefers durch die Schienentherapie noch nicht hinreichend gesichert war. Insbesondere nach den Ausführungen der Sachverständigen Dr. Q erscheint  überzeugend, dass die Verschiebung der Kieferposition auch aufgrund der muskulären Beteiligung ein dynamischer Prozess ist, bei dem auch entsprechend den Leitlinien eine gesicherte und so verbleibende Endposition erst erreicht ist, wenn der Patient ein halbes Jahr beschwerdefrei mit dieser durch die Schienentherapie erreichten Position gelebt hat. Das war vorliegend eindeutig nicht der Fall. Ausweislich des Befundes der Frau Dr. L hat die Klägerin noch am 03.09.2003 über Beschwerden geklagt, die diese Ärztin als Kieferklemme diagnostiziert hat. Gleichwohl hat der Beklagte bereits zu Beginn des Monats Oktober mit der Versorgung mit Langzeitprovisorien begonnen. Eine gesicherte Kieferposition und über eine hinreichende lange Zeit gegebene Beschwerdefreiheit haben damit eindeutig nicht vorgelegen.Der Beklagte kann sich auch nicht mit Erfolg darauf berufen, dass eine Schienentherapie wegen fehlender Zahnmulden nicht möglich gewesen sei und die vorrangigen sonstigen Beschwerden der Klägerin zu einer zunächst durchzuführenden prothetischen Interimsversorgung berechtigt hätten. Dem ist zum einen entgegenzuhalten, dass der Beklagte im Widerspruch zu seiner eigenen nunmehr vertretenen Meinung über Monate zunächst die Schienentherapie durchgeführt hat. Zum anderen hat die Sachverständige Dr. Q eine solche Vorgehensweise unter Verweis auf die bereits erörterte Problematik plausibel für fehlerhaft gehalten.?Das Oberlandesgericht stellt zudem einen groben Behandlungsfehler fest, was für die prozessuale Situation des Behandlers eine Verschlechterung bedeutet. ?Der Senat bewertet das Vorgehen des Beklagten bei juristischer Bewertung als groben Behandlungsfehler, also um einen eindeutigen Verstoߠ gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse, der aus objektiver ärztlicher Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf? . Dabei hat der Senat insbesondere berücksichtigt, dass die zu fordernde Zeit der Beschwerdefreiheit so deutlich unterschritten worden ist, dass sich das Scheitern der Bemühungen aus Sicht des Senates geradezu aufdrängte. Auch die medizinische Sachverständige Dr. Q hat das Vorgehen in Ihrem schriftlichen Gutachten als medizinisch unverständlich und Verstoß gegen bewährte medizinische Erkenntnisse bezeichnet und bei der mündlichen Anhörung bildlich als Verstoß gegen das "Dickgedruckte" angesehen.?Abweichend von der vorherigen Entscheidung des Landgerichts stellt das Oberlandesgericht Hamm aber keinen Behandlungsfehler hinsichtlich der Provisorien fest. ?Der Senat folgt der Sachverständigen Dr. Q dahin, dass die festgestellten Nonokklusionen nicht zwingend ein Ausdruck eines Behandlungsfehlers, sondern Folge der Schienentherapie sind.?Kein Nachbehandlungsrecht wegen grober FehlerhaftigkeitRegelmäßig steht dem Behandler ein Nachbehandlungsrecht zu. Dieses scheidet aus, wenn eine weitere Behandlung bei dem betreffenden Behandler für den Patienten unzumutbar ist. Genau eine solche Unzumutbarkeit hat das Oberlandesgericht Hamm für diesen Fall bejaht, da eine grobe Fehlerhaftigkeit der Behandlung vorlag.

Kommentar

Die Qualität des Behandlungsfehlers ist wichtig in einer streitigen Auseinandersetzung mit einem Patienten. Ein grober Behandlungsfehler wiegt schwerer als ein ?einfacher?. Auf die exakte Abgrenzung ist daher zwingend zu achten.

Handlungsempfehlung

Es ist unbedingt zu empfehlen, die Vertretung durch einen fachkundigen Rechtsanwalt vornehmen zu lassen. Der Rechtsanwalt sollte hinreichende Erfahrungen in dem konkreten medizinischen Fachbereich haben und in der Lage sein, eine die Basis bildende gesunde Vertrauensbasis zu dem betroffenen Behandler aufzubauen.

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