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Aufklärung über Alternativen nicht vergessen!

Schildert ein Arzt den geplanten Eingriff als alternativlos und dringlich, ohne dass dies stimmt, ist die Aufklärung fehlerhaft und die vom Patienten gegebene Einwilligung nicht wirksam. Bestehen echte Alternativen für die geplante Behandlung, müssen diese von der Aufklärung erfasst sein, damit der Patient sich eine eigene Entscheidungsgrundlage bilden kann.


Das Urteil


In einem vom Landgericht Münster zu beurteilenden Fall hatte ein Chirurg einer Patientin eine bevorstehende Operation als alternativlos und dringlich beschrieben. In der Beweisaufnahme konnte nicht festgestellt werden, dass der Arzt über die bestehende Alternative einer konservativen Behandlung aufgeklärt hat, obwohl er dies handschriftlich in die Aufklärungsdokumentation eingetragen hatte. Die klagende Patientin wurde vom Gericht persönlich angehört und konnte den Inhalt und Ablauf der Aufklärung überzeugend und glaubhaft schildern. Aufgrund der Alkoholkrankheit des Chirurgen bestanden zudem Zweifel an seiner Zuverlässigkeit.

In Auswertung der Gesamtsituation und sachverständig beraten kam es zur Haftung.

Das Landgericht Münster führte in seinen Entscheidungsgründen zu seinem Urteil vom 01.03.2018 (Az. 111 O 25/14):

„Die Beklagten zu 1) sind dafür beweisfällig geblieben, dass Q die Klägerin dementsprechend ordnungsgemäß aufgeklärt hat. Die Dokumentation der Aufklärung begründet kein Indiz für eine vollständige Aufklärung. Zwar kann dem Aufklärungsdokument entnommen werden, dass Herr Q handschriftlich als alternative Behandlungsmöglichkeit "kons. Therapie" eingetragen hat. Dass ihr eine solche als ernsthafte Möglichkeit in einem mündlichen Gespräch von Herrn Q tatsächlich aufgezeigt worden ist, steht allerdings nicht fest. Die persönliche Anhörung der Klägerin, die überzeugend geschildert hat, ihr sei die Operation als dringlich und alternativlos beschrieben worden, spricht jedenfalls gegen eine entsprechende Information. Im Übrigen sagt der genannte Zusatz nichts darüber aus, ob Herr Q der Klägerin eine operative Versorgung zutreffend als nicht dringlich und als nur bedingt erfolgversprechend beschrieben hat. Hierfür gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Im Gegenteil: In dem Aufklärungsbogen ist weiter maschinenschriftlich vermerkt: "Wenn mit der Operation zu lange gewartet werden sollte, muß mit folgenden Folgen gerechnet werden: […] ". Dieser Hinweis ist eindeutig fehlerhaft. Die genannten Folgen drohten für den Fall, dass die Operation nicht durchgeführt worden wäre, nach den überzeugenden mündlichen Ausführungen des Sachverständigen gerade nicht. Sie sind nun nicht deshalb eingetreten, weil die Klägerin den Eingriff unterlassen, sondern weil sie ihn hat durchführen lassen.“


Dem Einwand der Beklagtenseite in Form von einer hypothetischen Einwilligung seitens der Patientin wollte das Gericht nicht nachgehen. Von einer so genannten hypothetischen Einwilligung wird vereinfacht zusammengefasst gesprochen, wenn man davon ausgehen kann, dass der Patient auch bei einer vollständigen und ordnungsgemäßen Aufklärung sich nicht anders entschieden hätte. Das Landgericht Münster begründete seine Auffassung hierzu wie folgt:


„Der von den Beklagten zu 1) erhobene Einwand der hypothetischen Einwilligung greift nicht durch. Die Klägerin hat im Rahmen ihrer mündlichen Verhandlung plausibel dargetan, dass sie sich in einem Entscheidungskonflikt befunden hätte, wenn sie über die mangelnde Dringlichkeit und fraglichen Erfolgschancen des Eingriffs zutreffend informiert worden wäre. Die Kammer hat dabei nicht vernachlässigt, dass die Antwort von Patienten auf die Frage nach dem hypothetischen Vorgehen für den Fall einer ordnungsgemäßen Aufklärung nicht selten von einer Ex-post-Betrachtung getragen wird, die von den eingetretenen Folgen gekennzeichnet ist. Hier ist es trotz des mehrjährigen Leidensdrucks der Klägerin vor der Behandlung und auch unter gedanklicher Ausklammerung des anschließenden Verlaufs aber ohne weiteres nachvollziehbar, dass sie sich bei der äußert schwachen Indikation - wie von ihr geschildert - eine zweite Meinung eingeholt oder auch zunächst den Versuch einer weiteren konservativen Therapie unternommen hätte, bevor sie sich einer Wirbelsäulenoperation mit unklaren Erfolgsaussichten unterzieht, die schon aus Laiensicht mit nicht unerheblichen Risiken verbunden ist.“
 

Kommentar


Die Entscheidung des Landgerichts Münster ist nachvollziehbar und richtig. Eine Aufklärung muss inhaltlich richtig sein und dem Patienten alle zumindest naheliegenden Möglichkeiten der Behandlung mit den jeweiligen Risiken und Erfolgsaussichten aufzeigen.

Handlungsempfehlung


Bestehen echte Alternativen für die geplante Behandlung, müssen diese von der Aufklärung erfasst sein, damit der Patient sich eine eigene Entscheidungsgrundlage bilden kann. Die ordnungsgemäß durchgeführte Aufklärung sollte sich mit einer lückenlosen Dokumentation belegen lassen.