Abrechnung Zahnmedizin
KOSTENLOS TESTEN
Kontakt
0049 (0) 7433 / 952-208
Stefan Lorch, Produktberater
0049 (0) 7433 / 952-777
Standardgebühren ins dt. Festnetz
beratung@abrechnung-zahnmedizin.de
Ihre E-Mail wird umgehend beantwortet
Callback-Service
Wir rufen Sie gerne zurück!
WhatsApp
 

So rechnen Sie Langzeitprovisorien richtig ab

Oft ist es notwendig, dass der Patient sofort mit einem Provisorium versorgt wird – z. B. nach einer Extraktion im Frontzahnbereich. Für ein herausnehmbares Langzeitprovisorium kann ggf. ein Festzuschuss der Befundgruppe 5 gewährt werden. Welchen Anspruch der gesetzlich versicherte Patient tatsächlich hat, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.

Voraussetzungen, damit für einen Interimszahnersatz ein Festzuschuss gemäß der Befundklasse 5 gewährt werden kann, sind:

  • Die definitive Versorgung kann zum Eingliederungszeitpunkt der Interimsversorgung noch nicht geplant werden.
  • Die gemäß den Behandlungsrichtlinien notwendigen Vorbehandlungen bedürfen einer Wartezeit zur Evaluation des Behandlungserfolges (Hierbei sind die Nrn. 11–13 der Zahnersatzrichtlinien zu beachten).

Interimsprothese mit Metallbasis (gleichartig)

Wird eine Modellgussprothese als Langzeitprovisorium eingegliedert, so wird die Versorgung gleichartig, vorausgesetzt ein Festzuschuss der Befundklasse 5 kann gewährt werden.  

Laborgefertigtes, festsitzendes Langzeitprovisorium:

Sind die Voraussetzungen für die Gewährung der Befundklasse 5 erfüllt (siehe vorstehend), so stellt ein festsitzendes Langzeitprovisorium eine andersartige Versorgung dar.

In der Bemerkungszeile des Heil- und Kostenplans ist in diesem Fall darauf hinzuweisen, dass die Therapieplanung ein laborgefertigtes, festsitzendes Langzeitprovisorium vorsieht.

Als mögliche Abrechnungspositionen sind lediglich die Bema-Nrn. 96a, 96b, 96c, 97a, 97b, 7b, 98a, 98b, 98c und 89 mit den dazugehörigen BEL-II-Nrn. hinterlegt – für eine Brücke sind keine Bema-Nrn./BEL-II-Nrn. vorgesehen. 

Ein Festzuschuss der Befundklasse 5 kann nicht gewährt werden bei Eingliederung eines festsitzenden Langzeitprovisoriums, wenn die endgültige Versorgung bereits geplant worden ist.


Wird ein festsitzendes Langzeitprovisorium eingegliedert, obwohl die Planung der definitiven Versorgung möglich ist, kann im Ausnahmefall die Bema-Nr. 19 und die BEL-Nr. 031 0 (provisorische Krone/Brückenglied) abgerechnet werden:

Bei Vorliegen besonderer medizinischer Indikationen, z. B.

- nach chirurgischen Eingriffen – Abwarten der Wundheilung,
- nach endodontischen Maßnahmen – wenn die klinische Unauffälligkeit abgewartet werden muss,
- zur Sicherung der richtige Bisslage – z. B. nach Verlust der Stützzonen,
- bei länger andauernder Implantat-Einheilung

können ggf. laborgefertigte festsitzende Langzeitprovisorien aus Kunststoff medizinisch notwendig sein.

Das Wirtschaftlichkeitsgebot ist zu beachten, das heißt, liegt keine medizinische Notwendigkeit vor, stellen laborgefertigte Brücken/Kronen eine gleichartige Versorgung dar.

 

GOZ-Nrn. 5120/5140 - provisorische Brücke im direkten Verfahren (HKP Teil 2)


Während der Herstellungsdauer des festsitzenden Interims-Zahnersatzes im Fremd- oder Eigenlabor wird der Patient mit einem im direkten Verfahren hergestellten Provisorium versorgt.


•  Herstellung im direkten Verfahren
•  Das Entfernen und die Wiedereingliederung, auch mehrmals, ist mit den GOZ-Nrn. 5120, 5140 abgegolten.
•  zzgl. Material- und Laborkosten

GOZ-Nrn. 7080/7090 - Versorgung eines Kiefers mit einem laborgefertigten Provisorium im indirekten Verfahren (HKP Teil 2)


Ist die endgültige Versorgung nicht sofort durchführbar und beträgt die Tragedauer des Langzeitprovisoriums mindestens 3 Monate, so können hierfür die GOZ-Nrn. 7080 ff. abgerechnet werden.

Bestimmungen für die Berechnung der GOZ-Nrn. 7080 ff. sind:

  • Die Vorpräparation ist mit der GOZ-Nr. 7080 abgegolten.
  • Die Herstellung erfolgt im indirekten Verfahren.
  • Die Tragedauer muss mindestens 3 Monate betragen.
  • Die Entfernung und das Wiedereingliedern sind mit den GOZ-Nrn. 7080/7090 abgegolten.
  • Die GOZ-Nr. 7080 ist je Pfeilerzahn berechnungsfähig.
  • Die GOZ-Nr. 7090 ist je Brückenglied (Achtung: nicht je Spanne!) berechnungsfähig.
  • Die GOZ-Nr. 7100 ist für die Wiederherstellung des Langzeitprovisoriums ansetzbar, je Pfeilerzahn und/oder je Spanne (Achtung: nicht je Brückenglied).
  • Die Entfernung und das Wiedereingliedern sind mit den GOZ-Nrn. 7080/7090 abgegolten (Ausnahme: alio locio (Behandlung fand in einer anderen Praxis statt) = Entfernung: GOZ-Nr. 2290, Wiederbefestigung lt. BZÄK Analog gem. § 6 Abs. 1 GOZ berechnungsfähig). 
  • Wurde das Langzeitprovisorium definitiv befestigt kann für die Entfernung die GOZ-Nr. 2290 berechnet werden.
  • Wurde das Langzeitprovisorium adhäsiv befestigt, kann je Pfeilerzahn zusätzlich die GOZ-Nr. 2197 angesetzt werden.
  • Material- und Laborkosten sind gesondert berechnungsfähig.

 

Hinweise:


Beträgt die Tragedauer weniger als drei Monate so sind in der Regel lediglich die GOZ-Nrn. 2260, 2270, 5120 u. 5140 berechnungsfähig, es sei denn es liegen Gründe vor, die nicht vom Zahnarzt verschuldet sind (z. B. Befundänderung, Praxiswechsel, Tod des Patienten usw.).

GOZ-Nr. 5170 - Abformung des Kiefers mit individuellem Löffel (HKP Teil 2)
Erfolgt eine individuelle Abformung, ist die GOZ-Nr. 5170 zusätzlich berechnungsfähig. Die GOZ-Nr. 5170 kann auch bei individualisiertem Löffel (z. B. durch Stopps, Abdämmung, Unterfütterung, plastischer Umformung usw.) angesetzt werden.

GOZ-Nr. 0030 - Aufstellung eines schriftlichen Heil- und Kostenplans (Vereinbarung gem. § 4 Abs. 5 BMVZ bzw. § 7 Abs. 7 EKV-Z)
Die GOZ-Nr. 0030 ist zwar nicht für den HKP-Teil 1 oder HKP-Teil 2 berechnungsfähig, jedoch für die Begleitleistungen. Begleitleistungen dürfen nicht auf dem HKP Teil 2 aufgeführt werden.

In der Protokollnotiz der Befundklasse 5 ist bestimmt, dass für den Ansatz der Befunde 5.1 - 5.3 die Anzahl der fehlenden Zähne in dem zu versorgendem Gebiet ausschlaggebend sind, nicht die tatsächlich fehlenden Zähnen in einem Kiefer.

Im nachfolgenden Beispiel wird diese Regelung deutlich:


Die Versorgung mit einem herausnehmbaren Interimszahnersatz umfasst ein zu versorgendes Gebiet: Zähne 12-21


Für die zu extrahierenden Zähne 17 und 27 besteht jedoch keine Versorgungsnotwendigkeit mit einem Interimszahnersatz. Deshalb werden diese Zähne nicht für die Festsetzung des Festzuschusses gerechnet.


Regelversorgung

Interimsprothesen werden mit der Bema-Nr. 96a-c abgerechnet. Zusätzlich kann für einfache Halte- und Stützvorrichtungen die Bema-Nr. 98f angesetzt werden. Halteelemente gem. Bema-Nr. 98h sind in Verbindung mit einer Interimsprothese nicht berechnungsfähig.


Interimsversorgungen in Verbindung mit der Osseointegration (knöcherner Heilungsprozess) von Implantaten:


Ist ein Interimszahnersatz allein aufgrund der Osseointegration (Verbund zwischen dem organisierten, lebenden Knochengewebe und der Oberfläche eines belasteten Knochenimplantats) von Implantaten indiziert, so kann hierfür kein Festzuschuss gewährt werden. Die Interimsversorgung stellt eine reine Privatleistung dar und wird nach Maßgabe der GOZ abgerechnet.
Erneute Herstellung oder Wiederherstellungsmaßnahmen bei einer Interimsprothese


Für die erneute Herstellung eines Interimszahnersatzes muss insbesondere die Wirtschaftlichkeit beachtet werden, da eine endgültige Versorgung das Behandlungsziel ist (Zahnersatzrichtlinien Abschnitt C, 12).

Ein Interimszahnersatz gemäß der Befundklasse 5 ist als Übergangslösung bis zur Eingliederung eines definitiven Zahnersatzes vorgesehen. Wiederherstellungsmaßnahmen sind jedoch nur dann möglich, wenn das Ziel die langfristige Wiederherstellung ist. Hier liegt ein Widerspruch vor, deshalb ist die Wirtschaftlichkeit genau zu prüfen und die Wiederherstellungsmaßnahme sollte deshalb entweder von der gesetzlichen Krankenversicherung genehmigt werden oder als Privatleistung erfolgen.

Eine Privatleistung liegt dann vor, wenn der Patient die Interimsversorgung schon über einen längeren Zeitraum trägt und eine definitive Versorgung ablehnt.

Chefredakteurin Andrea Zieringer
 

Weitere Top-Themen finden sie hier.